Bitte beachten Sie: Diese Checkliste dient der Vorbereitung einer möglichen Durchsetzung kartellrechtlicher Ansprüche auf Entsperrung eines Amazon-Verkäuferkontos. Sie richtet sich an Händler, die prüfen möchten, ob die tatsächlichen und verfahrensmäßigen Voraussetzungen für ein strukturiertes Vorgehen vorliegen. Sie bezieht sich allein auf die Wiederherstellung des Verkäuferkontos, nicht auf Auszahlung von Guthaben.
Erfahrungsgemäß scheitern viele Fälle nicht an rechtlichen Hürden, sondern an
- vorangegangenem Verhalten gegenüber Amazon,
- unvollständiger oder widersprüchlicher Sachverhaltsdarstellung,
- oder fehlender Dokumentation
Die nachfolgenden Punkte sollen helfen,
- den eigenen Sachverhalt realistisch einzuordnen,
- typische Fehler frühzeitig zu erkennen,
- und eine belastbare Grundlage für eine mögliche weitere Eskalation zu schaffen.
Die Checkliste ersetzt keine rechtliche Prüfung, sondern soll Ihnen ermöglichen, die eigene Ausgangsposition vor einer Mandatierung kritisch zu prüfen und vorzubereiten.
Wesentlich ist Folgendes: Die Informationen müssen vollständig und wahrheitsgemäß sein.
Abonnenten unseres Newsletters erhalten diese Checkliste auch als PDF sowie ergänzende Hinweise zur praktischen Einordnung und Durchsetzung bei Amazon-Kontosperren. Melden Sie sich hier an.
1. Grundlagen zur Geschäftsbeziehung mit Amazon
- Seit wann ist Ihr Unternehmen als Verkäufer bei Amazon aktiv?
- Verkauf nur auf Amazon.de oder auch auf anderen Marktplätzen (Amazon.fr, Amazon.it etc.)?
- Welche Eigenmarken werden vertrieben? Gibt es hier konkurrierende Eigenmarken von Amazon?
- Anteil der Amazon-Verkäufe am Gesamtumsatz (absolute Zahlen und Prozentsatz)?
- Gab es in der Vergangenheit Beschränkungen?
2. Relevanz für die Marktstellung
- Gibt es wesentliche Abhängigkeit von Amazon als Absatzkanal?
- Werden die gleichen Produkte über andere Plattformen oder Kanäle verkauft (z. B. eigener Webshop, stationär, andere Marktplätze)?
- Ist Amazon der mit Abstand wichtigste Vertriebspartner oder bestehen gleichwertige Alternativen?
- Gibt es eine besondere zeitliche Dringlichkeit (wirtschaftlicher Schaden, Saisonabhängigkeit der Produkte, saisonale Verkaufsspitzen?)
3. Bisherige Kommunikation gegenüber Amazon
- Haben Sie gegenüber Amazon unrichtige, unvollständige oder widersprüchliche Angaben gemacht (z. B. in Appeals, Maßnahmenplänen, Verifikationen)?
- Haben Sie Erklärungen „ins Blaue hinein“ abgegeben, ohne die tatsächlichen Abläufe sicher zu kennen?
- Haben Sie Standardformulierungen oder Vorlagen genutzt, obwohl diese nicht exakt auf Ihren Fall passten?
4. Maßnahmen von Amazon
- Was ist im Dashboard sichtbar?
- Exakter Zeitpunkt und Art der Kontosperrung (Mitteilung von Amazon dokumentieren).
- Wurden Rezensionen gelöscht? Wenn ja, in welchem Umfang? Bitte alles dokumentieren.
- Welche Mitteilungen durch Amazon haben Sie bisher erhalten? Gibt es eine offizielle Begründung?
5. Mögliche objektive Rechtfertigungsgründe
- Gab es in der Vergangenheit Vorwürfe von Amazon? Wenn ja, welche genau, waren sie berechtigt und wie wurden sie gelöst?
- Gab/gibt es Verstöße Ihres Unternehmens oder könnte es ein irgendwie kritisches Verhalten geben? Hier relevant sind sämtliche Richtlinien, insbesondere bzgl. Rezensionen, Markenrecht/IP, Produktsicherheit, Kundenbeziehungen
- Gab/gibt es gekaufte oder inzentivierte Rezensionen?
- Können Sie bestimmte Verstöße sicher ausschließen oder dokumentieren?
- Wurde eine Begründung auf „dauerhaftem Datenträger“ erteilt?
- Wurde internes Beschwerdemanagement genutzt? Wurde Mediation angeboten/angefragt?
- Insbesondere: Besteht das Risiko, dass weitere Gründe angeführt werden könnten?
- Fällt Ihnen hier sonst noch etwas relevantes ein? Können Sie im Verlauf des Verfahrens notfalls alle relevanten Vorgänge offenlegen?
6. Beweissicherung
- Was genau haben Sie bereits unternommen?
- Haben Sie Amazon ausdrücklich abgemahnt? Haben Sie eine Frist gesetzt? Haben Sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Sie nach erfolglosem Fristablauf gerichtliche Schritte in Betracht ziehen werden, zB Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung?
- Alle Amazon-Mitteilungen im Original sichern, als Screenshot und PDF, jeweils mit Zeitstempel
- Screenshots der gesperrten Kontoinhalte, gelöschten Rezensionen und relevanter Meldungen
- Umsatz- und Absatzstatistiken vor und nach der Sperrung
Zeitlicher Kontext und typische Abläufe
Problematisch kann sein, wenn Amazon auf irgendeine Weise nachträglich Gründe für eine Aufrechterhaltung der Sperre vorlegt. Aus diesem Grund ist eine wahrheitsgemäße und vollständige Dokumentation unabdingbar.
Im ersten Schritt erfolgt regelmäßig eine deutliche Abmahnung mit Aufforderung zur Entsperrung unter Fristsetzung (zB drei Tage). Eine solche Abmahnung kann auch durch Sie selbst erfolgen. Dann benötigen wir aber eine Dokumentation über Inhalt und Zugang für den Antrag beim Gericht.
Ist die mit der Abmahnung gesetzte Frist erfolglos abgelaufen, können wir einen Antrag an das Gericht stellen. Das Gericht wird sehr wahrscheinlich den Antrag zustellen und einen Termin zur mündlichen Verhandlung setzen, um Amazon rechtliches Gehör einzuräumen. Sollte das Gericht mündlich verhandeln oder Amazon Tatsachen vortragen, kann sich das erheblich und schlecht abschätzbar ausweiten.
Hinweis zur Mandatierung
Der Erfolg steht und fällt mit Ihrer Mitarbeit und den uns zur Verfügung stehenden Informationen. Sie können unseren Aufwand aber ganz wesentlich verringern, indem Sie die Informationen bereits vorab zusammentragen und uns im richtigen Format bereitstellen.
Wir geben typischerweise frühzeitig eine Einschätzung über unseren erwarteten Aufwand. Grundsätzlich rechnen wir auf der Basis von Zeithonoraren mit einem Stundensatz ab.