BGH verhandelt am 26.1.2027 über Amazons Preiskontrolle: Grenzen des § 19a GWB neben dem DMA

Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) ver­han­delt am 26.1.2027 dar­über, wie weit § 19a GWB neben dem Digi­tal Mar­kets Act (DMA) trägt. Im Ver­fah­ren KVB 13/26 geht es um einen Eil­an­trag von Ama­zon gegen eine Ver­fü­gung des Bun­des­kar­tell­amts zu den Preis­kon­troll­me­cha­nis­men auf ama​zon​.de. Im ers­ten Ter­min klärt der Kar­tell­se­nat, ob der DMA und die E‑Com­mer­ce-Richt­li­nie es dem Bun­des­kar­tell­amt ver­weh­ren, einem Tor­wäch­ter nach § 19a Abs. 2 GWB kon­kre­te Ver­hal­tens­pflich­ten auf­zu­er­le­gen. Das geht aus einer Pres­se­mit­tei­lung des BGH vom 23.10.2026 her­vor.

Was das Bun­des­kar­tell­amt Ama­zon unter­sagt hat

Das Bun­des­kar­tell­amt hat Ama­zon mit Beschluss vom 4.2.2026 (B 2 – 73/20) unter­sagt, Ange­bo­te kon­zern­frem­der Händ­ler zu deak­ti­vie­ren oder vom „Her­vor­ge­ho­be­nen Ange­bot“ aus­zu­schlie­ßen, weil ihre Prei­se von Ama­zon errech­ne­te Schwel­len­wer­te über­schrei­ten. Nach der Ver­fü­gung darf Ama­zon nur noch Ange­bo­te erfas­sen, deren Prei­se in einem beson­ders gro­ben Miss­ver­hält­nis zur Leis­tung ste­hen oder gegen gesetz­li­che Preis­vor­ga­ben ver­sto­ßen. Ama­zon hat dage­gen Beschwer­de zum BGH ein­ge­legt und bean­tragt, die auf­schie­ben­de Wir­kung anzu­ord­nen. Bis zum Abschluss des Eil­ver­fah­rens sind die Umset­zungs­fris­ten nach dem Beschluss des Bun­des­kar­tell­amts gehemmt.

Wor­über der BGH am 26.1.2027 verhandelt

Ama­zon wen­det ein, dem Bun­des­kar­tell­amt habe die Befug­nis zu den Anord­nun­gen gefehlt. Ama­zon stützt sich ins­be­son­de­re auf Art. 1 Abs. 6 Satz 2 Buchst. b der Ver­ord­nung (EU) 2022/1925 (Digi­tal Mar­kets Act). Danach dür­fen natio­na­le Vor­schrif­ten Tor­wäch­tern nur „wei­te­re Ver­pflich­tun­gen“ auf­er­le­gen. Außer­dem beruft sich Ama­zon auf das Her­kunfts­land­prin­zip nach Art. 3 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/31/EG und § 3 Abs. 2 DDG, obwohl bei­de Rege­lun­gen Ver­hal­tens­wei­sen aus­neh­men, die dem Kar­tell­recht unter­lie­gen. Im Eil­ver­fah­ren prüft der BGH, ob ernst­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der Ver­fü­gung bestehen. Wei­te­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne hat der Senat bereits angekündigt.

Was an dem Ver­fah­ren zu § 19a GWB neu ist

Im Beschluss vom 23.4.2024 (KVB 56/22) hat der BGH nur über die Fest­stel­lung nach § 19a Abs. 1 GWB ent­schie­den, also über die über­ra­gen­de markt­über­grei­fen­de Bedeu­tung von Ama­zon für den Wett­be­werb. Im Ver­fah­ren KVB 13/26 muss der BGH erst­mals klä­ren, ob kon­kre­te Ver­hal­tens­pflich­ten nach § 19a Abs. 2 GWB neben dem DMA Bestand haben.

Dr. Sebas­ti­an Lou­ven kom­men­tiert § 19a GWB im Spindler/​Schuster/​Kaesling, § 18 GWB im Frank­fur­ter Kom­men­tar zum Kar­tell­recht sowie Art. 5 bis 7 DMA im Beck­OK Infor­ma­ti­ons- und Medi­en­recht (Gersdorf/​Paal).

Über den Autor

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Dr. Sebastian Louven

Ich bin Rechtsanwalt, Fachanwalt für Internationales Wirtschaftsrecht und Partner bei louven.legal. Ich berate und vertrete Unternehmen im Kartellrecht, in der Telekommunikationsregulierung und in Fragen der digitalen Marktregulierung. Zu diesen Themen publiziere und lehre ich regelmäßig.

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